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Hast du Angst vorm Tod?

Das ist eine wirklich schwierige Frage.

 

Der Tod bedeutet nun mal das Ende des Lebens. Die meisten haben Angst davor, einige freuen sich aber auch darauf. Ich möchte neutral und realistisch bleiben: Nein, ich habe keine Angst davor Tot zu sein. Das gehört nun mal zum Leben und ist unausweichlich. Ich kann mir als halber Atheist auch nicht vorstellen dass eine Hölle oder ein Himmel existiert.

Ich denke man ist dann eben einfach Tot. Die Gedanken und Erinnerungen erlöschen für immer und der Körper verwest in der Erde oder geht im Krematorium in Flammen auf – gesponsort von Gazprom oder sonst wem.

 

Die meisten Menschen, mich eingeschlossen, fürchten sich davor wie man stirbt. Gerade in Zeiten der Halbgötter in Weiß, für welche sie sich wenigstens teilweise halten, ist es nicht unüblich unter unvorstellbaren Schmerzen und vollgepumpt mit Fentanyl auf eine alles andere als menschliche Art dahin zu scheiden.

So gesehen ist die alte Frau die sich beim Fensterputzen das Genick brach zu beneiden. Denn in den meisten Fällen geht es heute alles andere als schnell.

 

Fazit: Tot? Meinetwegen. Aber bitte halbwegs human, abseits aller Krankenhäuser.

Darf man eine Urne mit nach Hause nehmen?

In 15 von 16 deutschen Bundesländern gilt leider (noch) ein Friedhofszwang. Das heisst Leichen, gleich in welcher Form, müssen auf einem zugelassenen Friedhof beigesetzt werden.

Allerdings gibt es sogenannte Urnen “für zu hause” in die nur wenige Gramm der sterblichen Überreste gefüllt werden dürfen.

Ausgenommen von dieser meiner Meinung nach veralteten Regelung ist seit 1. Januar 2015 lediglich das Bundesland Bremen in dem die Asche Verstorbener auch auf Privatgrundstücken und festgelegten öffentlichen Flächen verstreut werden darf. Dies muss der/die Verblichene allerdings vor dem Ableben Erklären.

 

Lässt sich der Friedhofszwang für Urnen umgehen?

Grundsätzlich lässt sich, mit genügend krimineller Energie, jede gesetzliche Regelung umgehen. Eine Anleitung hierzu darf und werde ich freilich nicht geben. Dennoch sind folgende Szenarien durchaus denkbar:

1.

Urnen werden des öfteren per DHL versendet, mir ist aber auch untergekommen dass Angehörige dies lieber selbst erledigen.

Beharrt jemand nun erfolgreich darauf ließe sich die Asche in der Kapsel vor der Beisetzung sicher Austauschen und die Großmutter würde Ihre letzte Ruhe bei Ihrem Gatten auf dem Kaminsims finden.

2.

Könnten (und werden) Urnen zur Beisetzung ins Ausland ausgeführt. Mit der Ausfuhr hat sich die Bestattungspflicht für die zuständigen deutschen Behörden erledigt.

Nun gibt es den Zwang aber nicht in allen Ländern, wird die Urne in die schöne Schweiz oder nach Tschechien ausgeführt darf die Asche dort i.d.R. auch ins Bücherregal gestellt werden (Nein, es muss natürlich kein Bücherregal sein. Wer geschmacklos genug ist kann sie dort auch auf dem Spülkasten der Toilette platzieren.).

Theoretisch könnte es einem Schwerkriminellen nun gelingen die Urne oder deren Inhalt – verbotenerweise – wieder nach Deutschland ein zu führen und so die Pflicht aus längst vergangen Zeiten umgehen.

3.

Im dritten Szenario könnte jemand natürlich auch auf die Idee kommen die Urne in einem unbeobachteten Moment wieder aus zu graben. Ist die genaue Stelle bekannt, der Täter körperlich fit und skrupellos genug wäre die Aktion wohl in unter 5 Minuten erledigt.

 

 

Das Ganze ist natürlich auf keinen Fall als Anleitung zu verstehen. Doch so oder so ähnlich kann und werden Urnen auch in Deutschland illegalerweise von der Friedhofspflicht befreit.

 

Wer auf die Idee kommt seinen Bestatter um den Austausch der Asche zu bitten sollte über eine gute Menschenkenntnis verfügen. Weder mein Ex-Chef noch meine damaligen Kollegen hätten – angeblich aus tiefer religiöser Überzeugung – einem Kunden diesen Gefallen getan.  Das Stellen dieser Frage hätte es später aber schwierig bis unmöglich gemacht doch noch zu seinem (un)recht zu kommen.

 

 

Muss man eine Überurne kaufen?

Nein. Grundsätzlich kann man die Aschekapsel auch ohne Überurne beisetzen. Die Überurne dient lediglich der Optik damit das Ganze etwas “pietätvoller” aussieht.

Wachsen Haare nach dem Tod weiter?

Auch hier gibt’s ein klares Nein.

Dabei handelt es sich um eine Geschichte die gerne erzählt wird, weil.. nun ja um ehrlich zu sein habe ich keine Ahnung warum. Fakt ist: wenn man tot ist, dann ist man tot. Das Herz hört auf zu schlagen, das Blut zirkuliert nicht mehr und es wachsen weder Haare noch Fingernägel.

Allerdings sieht es manchmal tatsächlich so aus als würden Haare und Fingernägel nach dem Tod weiter wachsen. Das kommt davon, dass die Haut nach dem Tod durch die fehlende Durchblutung an Volumen verliert und sich zusammen zieht. Dadurch erscheint teils ein Haaransatz der zu Lebzeiten unter der Haut verborgen lag. Das gleiche gilt übrigens für Nägel.

Kann das Arbeitsamt mich zur Arbeit beim Bestatter zwingen?

Klar: Nein.

Euer Berater beim Jobcenter kann euch zu vielen Dingen zwingen, die Arbeit mit Leichen (Bestattungsinstitute, Pathologie, Gerichtsmedizin etc.) gehört aber genauso wenig dazu wie sexuelle Dienstleistungen.

Falls die Herrschaften euch wirklich gegen euren Willen und unter Androhung irgendwelcher Maßnahmen dazu zwingen wollen, lasst euch das schriftlich geben. Niemand der noch bei Verstand ist wird so etwas Unterschreiben da er dann möglicherweise für Seelische Schäden haftbar gemacht werden kann.

 

Hält ein teurer Sarg wirklich länger?

Das lässt sich so pauschal leider nicht beantworten. Zum einen werden Särge in der Regel aus Holz gefertigt das für andere Dinge kaum brauchbar ist, zum anderen werden sie in Deutschland absichtlich so konstruiert dass sie in der Erde vergehen.

Rein vom Material gesehen hält sich eine Eichentruhe und Hartholz zwar etwas länger, abhängig von der Beschaffenheit des Erdreichs und der Feuchtigkeit vergehen aber auch diese Särge oft noch während der Ruhefristen.

Die Erfahrung hat aber auch gezeigt, dass einige Modelle bereits beim Einfüllen des Grabes unter der Erdlast zusammenbrechen und das passierte nicht nur mit “Billigmodellen”.

 

Stimmt es dass Leichen der Mund zugenäht wird?

Das hängt vom Zustand des Leichnams und davon ab ob dieser offen Aufgebahrt werden soll oder nicht.

Soll der Verstorbene aufgebahrt werden und steht der Mund offen vernäht man mit einer sog. Ligatur tatsächlich den Unter- und Oberkiefer um ein möglichst natürliches Aussehen zu erreichen und den Angehörigen den Anblick des „unnatürlich“ geöffneten Mundes zu ersparen.

Was passiert mit den Knochenresten wenn ein Grab neu belegt wird?

Früher wurden Gebeine die vom Totengräber ausgegraben wurden oft in Beinhäuser verbracht und dort gelagert, das ist heute aber eher unüblich.

Meiner Erfahrung nach versucht man möglichst die Gebeine beim Schließen des Grabes wieder zu begraben, da das aber nicht mit allen Resten gelingt wurden viele der Knochen von uns in die Biomüllcontainer des Friedhofs geworfen. Von dort werden sie in eine Kompostieranlage gebracht und geschreddert, nach der Verrottung kann man das Ganze als Blumenerde oder ähnliches wieder kaufen.

Ob das auf allen Friedhöfen gängige Praxis ist weiß ich leider auch nicht.

Ich habe beim Bepflanzen meines Grabes einen Knochen gefunden, was soll ich tun?

Nun entweder kann man den Knochen dort einfach wieder vergraben, ist das aus irgend einem Grund nicht möglich kann man sich mit diesem Anliegen aber auch an die örtliche Friedhofsverwaltung bzw. den zuständigen Totengräber wenden.

Kann man die Asche Verstorbener wirklich zu einem Diamanten pressen lassen?

Ja, diese Möglichkeit gibt es, hierzu muss die Asche des Verstorbenen allerdings in die Schweiz oder die Niederlande geschickt werden da so etwas in Deutschland nicht erlaubt ist.

Dort werden die Kohlenstoffhaltigen Teile aussortiert und unter enormem Druck zu einem künstlichen Diamanten gepresst.

Ich persönlich halte das Ganze für eine Farce, erstens ist der Kohlenstoffanteil im Menschlichen Körper sehr viel geringer als der im Holz des Sarges und so wird ein Großteil des Diamanten nicht aus der Asche des Verstorbenen sondern aus der des Sarges bestehen und zweitens finde ich es dann schon ein wenig makaber, dass man die Überreste der Toten Großmutter zwar an einer Halskette herumtragen darf Urnen aber nach deutschem Recht in 15 Bundesländern auf einem Friedhof beigesetzt werden müssen.

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