Heute ist der letzte Freitag im Januar und draußen ist es eiskalt. Neue Leichen gibt es keine und die Angehörigen von Herrn Schmidt vom Vortag waren noch nicht hier um Kleidung vorbei zu bringen und einen Sarg aus zu suchen. Deshalb Beschäftigen wir uns den ganzen Vormittag mit der Reinigung und Wartung der Gerätschaften.

Während ich den Laster putze vergeht der Morgen erstaunlich schnell und ehe ich mich versehe habe ich auch schon Pause.

Danach ging’s zum Stadtfriedhof um die Urne eines Finanzbeamten a.D. (wenigstens dessen bin ich mir in Anbetracht seines Zustands sicher) bei zu setzen.

Als wir am Friedhof die Kirche vorbereitet hatten und die Urne hübsch aufgebaut war gingen wir zurück in den Aufenthaltsraum um auf den katholischen Geistlichen zu warten.

Herr Grabowoski und Hans vernichten während der Wartezeit 3 Kurze und ich bekomme wieder mal keinen – dafür darf ich heute die Urne tragen.

Als mit dem Priester alles geklärt ist und die Trauernden sich in der Kirche eingefunden haben buddelt der Chef noch schnell das Urnengrab. Das scheint mir zwar etwas kurzfristig, funktioniert aber erstaunlich gut. Danach Warten wir zu dritt im Hinterzimmer der Kirche (die Gläubigen nennen das wohl Sakristei). Ich soll die Urne Tragen, Hans das Kreuz und der Chef läuft mit dem Pfarrer vorweg.

Als der Pfarrer seine Lobrede auf den Verblichenen beendet hat trete ich langsam in die Kirche und hebe die Urne von ihrem Platz. Schleichend geht’s zur Tür, die Familie läuft direkt hinter mir. Alle Glocken die eine Kirche so hat sind am Läuten und wir Laufen langsam zum Grab. Dort angekommen baue ich mich direkt vor dem winzig kleinen Erdloch auf und ehe ich mich versehe Tätschelt die trauernde Witwe an der Urne in meinen Händen herum. Ihr ist wohl gerade ziemlich egal, dass mir die Urne wenn Sie mit ihren Pranken so dran herumfuchtelt leicht runter fallen könnte…

Zum Glück bemerkt der Pfarrer das und fängt mit einer kurzen aber emotionalen letzten Rede an, danach darf ich die Urne langsam ins Grab herunter lassen.

Die Witwe ist in diesem Moment kurz vorm Zusammenbrechen, anstatt ihr jetzt bei zu stehen baut sich allerdings die halbe Belegschaft des örtlichen Finanzamts neben dem Pfarrer auf und bekommt das Mikrofon.

Eine Lobrede von und für einen Finanzbeamten, mein schlimmster Albtraum.

Leider kann ich das nicht aufhalten und so fängt der Leiter der örtlichen Geschäftsstelle seine Rede an. Den Wortlaut kann ich nicht behalten, die Rede ist aber etwa so Lange wie die gesamte bisherige Trauerfeier und, genau das habe ich befürchtet, völlig Inhaltslos.

Als dann endlich nach etwa 45 Minuten alle Reden gehalten waren dauert es noch einmal gut 30 Minuten bis die Trauergäste den Friedhof verlassen und wir das Grab schließen können.

Zurück im Institut ist die Kleidung von Herrn Schmidt angekommen und Frau Kiesling hat auch bereits einen Schicken Sarg, Modell „Rose“ verkauft.

Der Chef merkt an, dass Herr Schmidt ja nicht mehr weg läuft und das Einsargen auch bis Montag warten kann.

Feierabend und Wochenende, endlich etwas Zeit um die ersten Eindrücke zu verarbeiten.